Adventszeit, Weihnachtszeit – Warten auf den Kommenden!
Ein guter Hirte geht seiner Herde immer voran! So forderte Jesus seine Jünger auf: „Lech acharai – Folge mir nach!“ Auch beim israelischen Militär heißt der Befehl: „Kadima acharai – Vorwärts, mir nach!“ Weil in Israel der Befehlshaber seiner Truppe voran zieht, hat dies zur Folge, dass im Krieg zuerst die Offiziere umkommen.
Zeitlich betrachtet zog Jesus als „König der Juden“ als Erster nach Gethsemane. Dann, einen „Steinwurf weiter“ – 2000 Jahre später – folgt ihm nun das „Volk der Juden“, d.h. Israel macht heute die Stadien durch, die Jesus als ihr König im Garten Gethsemane durchmachte. Die Evangelien berichten in Matthäus 26; in Markus 14; in Lukas 22 und in Johannes 18 über Jesu Gebetsringen in Gethsemane.
Nach dem Abendmahl, das Jesus am Sederabend des Pessachfestes einge-setzt hatte, ging er zum Ölberg in den Garten Gethsemane (Garten des Ölkelters), denn er wusste, dass seine Stunde gekommen war. Zum Gebet nahm er von seinen Jüngern nur Petrus, Jakobus und Johannes mit sich, damit sie mit ihm wachen und beten. Da fängt Jesus an „heftig zu zagen“. Es scheint, dass er erst hier in seiner Gänze erfuhr, was an Leiden auf ihn zukommen wird. Auch Israel wird erst am Ende wahrnehmen, was an Leiden auf Israel zukommen wird, so dass sie rufen „Berge fallet über uns!“
Jesus bat seine Jünger mit ihm zu wachen, sagt aber „Betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt, denn der Satan hat sich euch von Gott aus-erbeten, um euch wie Weizen zu worfeln – um Spreu vom Weizen zu trennen“. So wie damals die Jünger in Gethsemane an ihrer Fürbitte für Jesus gemessen wurden, als Satan versuchte, sie von der Fürbitte für Jesus abzuhalten, so versucht Satan heute, die Christen von ihrer Fürbitte für Israel abzuhalten.
Dass Jesus von den Jüngern nur drei mit sich nahm, ist ein vager Vergleich darauf, dass nicht alle Christen eine Israel-Berufung haben, sondern nur ein Viertel aller weltweiten Christen von Gott für diese Israelaufgabe auserwählt sind. Jesus sagte diesen drei Jüngern: „Meine Seele ist zu Tode betrübt! Bleibt bei mir, wachet mit mir!“ und betete: „Mein Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst geschehe!“
Auch Israel kommt noch in eine Situation, in der die Israelis bis zum Tode betrübt sein werden und darauf angewiesen sind, nicht allein gelassen zu sein. Das Nicht-Alleinlassen ist aber nicht die Aufgabe der USA oder der EU, sondern die Berufung der dazu auserwählten Christen.
Als Jesus seine Jünger schlafend vorfand, sagte er: „Konntet ihr nicht eine Stunde mit mir wachen?“ „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach!“ Auf Israelkonferenzen ist es einfach, für Israel zu beten. Doch draußen in der rauen Wirklichkeit, in einer israelfeindlichen Umwelt, wird das Fleisch schwach, sich zu Israel zu bekennen. Dann fehlt die Kraft, gegen den Strom zu schwimmen. Doch nur lebende Fische schwimmen gegen den Strom, tote lassen sich treiben – und der Trend unserer Zeit treibt gegen Israel.
Dreimal versprachen die Jünger mit Jesus zu wachen. Doch jedes Mal fand er sie schlafend, denn sie waren müde vom Feiern, kamen sie doch von der Pessach-Feier. Gewiss: Wir haben allen Grund zur Freude. Doch wenn wir selbst auf Israelkonferenzen nur ans Feiern denken, weil das Fähnchenschwingen so schön ist, ohne auf den Ernst der Stunde aufmerksam zu machen, weil es Fremde abstoßen könnte, praktizieren wir damit nicht, was göttlich ist, sondern was menschlich ist.
Als Jesus mit Gewalt abgeholt wurde, als Judas ihn mit einem Kuss verriet, wachte auch Petrus auf und griff zum Schwert. Es gibt übereifrige Israelfreunde, die zur Waffe greifen wollen, um Israel zu helfen. Auch das ist menschlich und nicht göttlich gewollt, denn „es wird nicht durch Heeresmacht und nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth“ (Sacharja 4,6). Da sagte Jesus zu Petrus: „Stecke das Schwert weg, denn wie soll sonst die Schrift erfüllt werden?“
Wir müssen uns daran gewöhnen, dass auch Israels Feinde zum Heilsplan Gottes gehören, denn ohne den Angriff der vereinten Nationen gegen Jerusalem (Sacharja 12,2-3), kann nicht die Schrift erfüllt werden, weil Gott erst durch den Aufmarsch der Feinde eingreifen kann, um Israel zu retten. Natürlich sind wir entrüstet über Israels Feinde, die Israel von der Landkarte tilgen wollen. Da möchte man wie Petrus zur Waffe greifen oder will, dass die USA Israel mit Atomwaffen verteidigen. Nein, unsere Aufgabe ist nur für Israel zu beten und solidarisch zu wachen, so wie Aaron und Hur die müden Arme Moses stützten, damit Israel siegen konnte.
Als Jesus in Gethsemane festgenommen wurde, sagte er: „Wie gegen einen Räuber seid ihr ausgezogen!“ So werden die Völker einmal gegen Israel ziehen, weil sie meinen, Israel sei ein Landräuber, Israel habe den Palästinensern das Land geraubt. Die geschickte Lügenpropaganda der Palästinenser und der latente Antisemitismus der Völker, machen es möglich, dass Israel als Räuber dargestellt wird, weswegen einmal alle Nationen der Erde vereint gegen Israel ziehen werden. Täglich war Jesus im Tempel und nichts geschah gegen ihn. Jetzt aber, „als die Zeit erfüllt war“, wurde er in den Augen der Feinde zum Räuber. Jetzt, wo seit 1948 der Staat Israel existiert, soll Israel als „Landräuber“ vernichtet werden. Dabei sagt Gott: „Ich, der HErr, hole euch, Israel, aus den Heidenvölkern heraus und sammle euch aus allen Ländern der Erde und bringe euch in euer Land zurück“ (Hesekiel 36,24). Das euer ist ein besitzanzeigender Begriff, der angibt, wem dieses Land gehört. Damit sagt Gott, dass das Land Israel dem Volk Israel gehört.
D.h. jetzt kommt es darauf an, dass die Christen zu Israel halten, denn dies ist die „Macht und Stunde der Finsternis“, wie es auch bei der Gefangennahme Jesu war. Selbst der auserwählte Petrus folgte Jesus nur noch von Ferne. Nun versagen auch die engsten Israelfreunde. Auch Jesu Lieblingsjünger Johannes ließ vor Angst sein Gewand fallen und floh nackt vor den Feinden. So werden am Ende die Israelfreunde nackt dastehen und nichts zu bieten haben.
Petrus, der Jesus bis zum Gerichtsgebäude folgte, ging ihm nach, um zu erfahren, wie der Prozess ausgeht. Es gibt Christen, die sich bei Israelvorträgen nur informativ für Israels aktuelle Lage interessieren, ohne sich deswegen für Israel einsetzen zu wollen. Hier aber geschieht etwas im Leben von Petrus, womit er nicht gerechnet hatte. Weil Petrus sich in guten Tagen zu Jesus bekannt hatte und mit ihm gesehen wurde, konnte die Magd ihn als Jünger Jesu erkennen, worauf Petrus drei Mal Jesus verleugnete:
1. „Ich kenne diesen Jesus nicht!“ „Ich habe mich nie für Israel interessiert!“
2. „Ich bin es nicht!“ „Ich habe mich nie aktiv für Israel eingesetzt!“
3. „Ich weiß nicht, was du meinst!“. „Die NAI-Zeitung hat mir jemand ungewollt zugesandt!“
Danach krähte wie vorausgesagt der Hahn, wodurch Petrus Buße tat und bitterlich weinte, so dass er doch noch ein Apostel Jesu wurde. Es ist wichtig, dass wir uns in guten Tagen zu Israel als dem auserwählten Volk Gottes bekennen, damit wir, wenn es hart wird für Israel, keinen Rückzieher mehr machen können, weil wir dann als Israelfreunde bekannt sind. Und wenn Gott das Geschick Israels zum Guten wendet (Amos 9,14-15), werden sich 10 Männer aus den Nationen an einen Juden klammern und sagen: „Wir wollen mit dir gehen, denn wir haben erkannt, dass Gott mit euch ist“ (Sacharja 8,23). Das ist die Auferstehung, wenn Israel – für alle Welt sichtbar – in seiner Gesamtheit als „Volk Gottes“ errettet wird (Römer 11,26).
Nur wer als Jünger das Leiden Jesu im Garten Gethsemane mitmachte, durfte hinterher mit dem Auferstandenen die Herrlichkeit Gottes erleben. Nur wer Israel in seiner schweren Stunde beistand, wird in der Ewigkeit gemeinsam mit den Juden das „Lied des Moses“ und das „Lied des Lammes“ singen können (Offenbarung 15). Nur wer sich in schwerster Stunde zu Israel bekannte, wird einmal zusammen mit den Juden im himmlischen Jerusalem wohnen, denn die Tore der ewigen Stadt tragen die Namen der zwölf Stämme Israels und ihre Grundsteine tragen die Namen der zwölf Apostel des Lammes (Offenbarung 21).
Ohne Gethsemane gibt es keine himmlische Herrlichkeit. So, wie die Jünger damals mit Jesus, dem „König der Juden“ wachen sollten, so sollen heute Christen für das „Volk der Juden“ wachen und beten – damit sie selber nicht Satans Versuchung zum Opfer fallen.
Ludwig Schneider
Vortrag, den Ludwig Schneider während der Freizeit „Mut zur Stille“ im September 2008 in Israel am Toten Meer gehalten hat.
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