Alle sprechen immer und überall von der Krise. Krise, Krise, Krise … ich kann’s schon nicht mehr hören. Aber es gibt ein Mann, der bläst lautstark zur Schnäppchenjagd. Erstaunlich! Wer ist dieser Mann und was können wir von ihm lernen? Er lebt auch mit 78 Jahren immer noch in seinem Geburtsort Omaha, einem Provinzkaff im tiefen mittleren Westen der USA. Er wohnt dort in einem Einfamilienhäuschen mit fünf Zimmern, das er 1958 für 31‘500 Dollar erworben hat. Er bezieht seit Jahren ein Jahressalär von 100‘000 Dollar – und erhält keine Boni. Mit seinen schlecht sitzenden grauen Vertreter-Anzügen, seinen abgetragenen Baseball-Mützen und Sportjacken, seiner lebenslangen Vorliebe für Hamburger, Pommes und Coke passt er perfekt in das Klischee des ländlichen amerikanischen Kleinunternehmers. Ein langweiliger Mann wie Du und ich? Weit gefehlt! Es lohnt sich ihn näher kennen zu lernen – nicht nur weil er der reichste Mensch der Welt ist: Warren Buffet.
Warren Buffett ist ein US-amerikanischer Grossindustrieller mit einem von Forbes 2008 geschätzten Privatvermögen von 62 Milliarden US-Dollar. Er ist das zweite Kind des Brokers und späteren Kongressabgeordneten Howard Buffett und ist selbst dreifacher Vater. Sein erstes Geld verdiente Buffett im Sommer 1936, indem er Coca-Cola Sixpacks für 25 Cents kaufte und die Flasche für 5 Cents verkaufte. Später verdiente er Geld als Zeitungsbote, mit der Vermietung von Flipperautomaten und dem Verkauf gebrauchter Golfbälle. Seine ersten Erfahrungen mit Geldanlagen und dem Aktiengeschäft machte er in der Firma seines Vaters. Dort erwarb er im Alter von 11 Jahren seine ersten drei Aktien für 38,25 $ und verkaufte sie, nachdem sie zwischenzeitlich auf 27 $ fielen, für 40 $. Mit 14 Jahren kaufte er eine 16 ha grosse Farm in Omaha für 1‘200 $, die er verpachtete. Als er 17 war, kauften er, ein Freund und eine Freundin einen Rolls Royce für 350 $, um diesen für 35 $ pro Tag zu vermieten. Ein geschäftiger junger Mann also. Er erwarb 1951 an der Columbia University in New York den „master in economics“. Danach arbeitete er in der Firma seines Vaters. Am 1. Mai 1956 gründete der 25-jährige Buffet sein erstes Unternehmen mit einer eigenen symbolischen Einzahlung von 100 $. Weitere 105‘000 $ wurden von sieben Verwandten und Bekannten beigesteuert. Dieser kräftig wachsende Investmentpool erzielte von 1956 bis 1969 eine durchschnittliche jährliche Rendite von 29,5%! Im Gegensatz zu den heutigen Bankern verdiente Buffet nur bei Erfolg: wenn die Rendite 6% überstieg, erhielt er 25% des darüber hinausgehenden Ertrages. Für die Anfangsinvestoren wurden so (nach Abzug von Buffetts Erfolgsanteil) aus 10‘000 schöne 150‘000 $ (im gleichen Zeitraum hätte eine Investition in den Dow-Jones-Index lediglich einen Betrag von etwas mehr als 15‘000 $ ergeben). Gegen Ende der 60er Jahre beunruhigte Buffett die immer stärker auf kurzfristige Kurssteigerungen und hochspekulative Aktien setzende Atmosphäre an der Wall Street. Konsequenterweise löste Buffett 1969 den Investmentpool auf und bot seinen Investoren an, ihr Geld in Anteile von Berkshire Hathaway zum damaligen Kurs von etwa 43 $ je Anteil (ein solcher Anteil war im Dezember 2007 ungefähr 150‘000 $ wert) zu tauschen. Der dann tatsächlich eingetretene Einbruch an der Wall Street von 1969 bis 1971 trug Buffett den Spitznamen „Orakel von Omaha“ ein. Trotz der Grösse, die Berkshire Hathaway mittlerweile erreicht hat, ist es Buffett immer wieder gelungen, überdurchschnittliche Anlageergebnisse zu erzielen, wenn auch das jährliche Anlageergebnis mittlerweile „nur noch“ 21,9 % seit 1965 beträgt. An den Generalversammlungen erregt Buffet immer wieder Aufmerksamkeit durch scharfsinnige, selbstkritische und humorvolle Bemerkungen in den Jahresberichten. Diese Versammlungen, die zuletzt von mehr als 20‘000 Menschen besucht wurden, tragen mittlerweile den Namen „Woodstock für Kapitalisten“.
„Man soll seinen Kindern so viel lassen, dass sie das Gefühl haben, alles machen zu können, aber nicht so viel, dass sie nichts machen“, lautet eines seiner Prinzipien. Kein Wunder kündigte Buffet am 25. Juni 2006 an, 85% seines Vermögens nach und nach an fünf Stiftungen verschenken zu wollen, wobei der Grossteil an die Bill & Melinda Gates Foundation geht. Er traut dieser Stiftung eine Effizienz im Umgang mit Spendenmitteln zu, die er selber niemals erreichen könnte. Auch wenn es um Wohltätigkeit geht, will Buffett sein Geld so produktiv anlegen wie möglich. Seine Milliarden sollen für eine maximale Zahl von Menschen eine maximale Verbesserung der Lebensverhältnisse bringen. Es wird also weder eine Buffett-Bibliothek noch ein Buffett-Hospital, noch eine Buffett-Concert-Hall geben. Der Milliardär regelt sein Erbe, wie er gelebt hat: als Superlativ in aller Bescheidenheit.
Krise als Chance
Die chinesische Schrift kennt für „Krise“ und „Chance“ nur ein Schriftzeichen und tatsächlich beinhaltet jede Krise die Chance, die gemachten Fehler zu erkennen und nicht mehr zu machen. Das gilt nicht nur für die Banker, sondern auch für Sie und mich. Und wie recht hat doch einmal mehr die Bibel: „Der Reiche hält sein Vermögen für eine Festung; in seiner Einbildung erscheint es ihm wie eine hohe Mauer. Wer hoch hinaus will, stürzt ab; Bescheidenheit bringt Ansehen“ (Sprüche 18,11 f.). Fragen Sie sich in dieser Krise doch mal: Wie heissen die Mauern meiner Festung, die mir Sicherheit geben und doch so schnell einfallen können?
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