Wenn jemand denkt, der eigene Glaube, das eigene Glaubensleben, die eigene Gemeinde oder Kirche sei genau das Richtige und Ideale und alles andere brauche nicht zu interessieren, führt das früher oder später zur Blindheit. Man wird Blind für das Reich Gottes und den Reichtum christlichen Lebens in seiner ganzen Vielfalt. Auch das eigene Glaubensleben und die Gemeinde sieht man dann nicht mehr aus der Reich Gottes Perspektive sondern aus der eigenen Blindheit.
Wenn sich aber jemand entscheidet nicht in diese Falle der Begrenztheit zu tappen, macht er wertvolle Erfahrungen und lernt die unterschiedlichsten Glaubensgeschwister kennen. Das ist nicht immer einfach, aber eine gute Vorbereitung auf den Himmel. Es hat einen Hauch von Freiheit zu der wir ja berufen sind und die ich nicht missen möchte.
So kam es, das wir (meine Frau und ich) im vergangenen Jahr den Bischof der koptischen Kirche in Deutschland, Anba Damian, kennenlernten. Die katholische Gemeinde in unserer Stadt hatte ihn zu einem Vortrag eingeladen. Er berichtete von der Entstehung, Tradition, Theologie und dem Leben in der koptischen Kirche. Es waren klare Bekenntnisworte als er seine eigene Geschichte erzählte, und auch von den in Deutschland lebenden Kopten berichtete. Am Ende seines Vortrages, (übrigens komplett in deutscher Sprache) sprach er eine Einladung aus.: “Doch mal das koptische Kloster in Brenkhausen zu besuchen.”
Vor einigen Wochen, während der Urlaubszeit, haben wir dann die Gelegenheit genutzt das Kloster zu besuchen. Wir wussten, aus dem Internet, das dort sonntags um 10 Uhr Gottesdienst ist und wir waren rechtzeitig da, um daran teilzunehmen.
Das erste was uns auffiel, wir wurden freundlich begrüßt und herzlich willkommen geheißen. (obwohl wir Fremde waren, offensichtlich Andersgläubige und wie Ausländer wirkten, den die Gemeinde besteht fast nur aus Ägyptern). Wir fühlten uns gleich angenommen.
Das Innere der kleinen Kapelle (ein Teil des Klosters) gilt als heiliger Raum und wird ohne Schuhe betreten. Es kamen etwa 80 Personen um hier Gottesdienst zu feiern. Ein evangelischer Gottesdienst dauert oft max. 1 Stunde und wird überwiegend auf bequem, gepolsterten Stühlen verbracht. Ein koptischer Gottesdienst dauert mehr als doppelt solange und wird fast nur im stehen verbracht. Das meiste der Liturgie konnten wir nicht verstehen, da sie in koptischer Sprache gehalten wird. Die Lesungen und die Predigt waren dann auch in deutscher Sprache zu hören. Zentraler Bestandteil des Gottesdienstes war natürlich die Eucharistie, eine Feier der Heiligkeit und Gegenwart Gottes. So ist es ja in allen orthodoxen und katholischen Kirchen. Der ganze Gottesdienst war geprägt von Ehrfurcht, Heiligkeit und Freiheit.
Die Freiheit drückte sich vor allem auch darin aus, das viele Kinder, die mit den Eltern gekommen waren, aktiv an der Gottesdienstfeier beteiligt waren, sie hatten eigene kleine Aufgaben, die sie teils alleine oder mit Hilfe der Erwachsenen vorne vor dem Altarraum erledigten. Sie tun es mit kindlicher Freude und Ernsthaftigkeit, so lernen sie schon früh etwas von der Feierlichkeit eines Gottesdienstes.
Während des Gottesdienstes wurde ich von einem Verantwortlichen gebeten eine der vorgesehenen Lesungen vorne vom Lesepult aus zu lesen, zunächst aus den Psalmen und später noch einmal etwas aus der Apostelgeschichte. Das war natürlich völlig überraschend, damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet, (wir waren doch Fremde) habe es aber sehr gerne getan. So waren wir ganz mit hineingenommen.
Die Predigt war zwar für evangelische Gewohnheiten kurz, aber so eindrücklich, das mir das Wort noch heute nachgeht, und ich immer wieder daran erinnert werde. (Danke Bischof Damian)
Im Anschluss an den Gottesdienst wurden alle noch zum Agapemahl eigeladen. Aus zeitlichen Gründen konnten wir jedoch nicht mehr bleiben. Es war ein eindrücklicher Sonntagmorgen, wir haben es sehr genossen. Es war eine bereichernde Erfahrung. Sicher werden wir nicht zum letzten mal da gewesen sein.
Wer auch mal da hin möchte, hier findet man die Adresse.
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Hall Achim,
vielen Dank für den Bericht von Eurem Besuch in Brenkhausen. Ich bin auch schon öfter dort gewesen und schätze Bischof Damina sehr! Deshalb freut es mich um so mehr, von Euren Erfahrungen dort zu lesen. Im Glaubensbekenntnis sagen wir: “[ich gaube an] die heilige christliche Kirche”. Es ist gut, zu wissen, dass diese immer noch größer ist als unsere konkrete Gemeinde und Kirche, in der wir leben.
Ja, da kann man dankbar sein, wenn man es nicht nur glaubt sondern auch erlebt.