Homosexuelle im Pfarrhaus
Eine Umfrage sorgt für Aufruhr
Die Internetabstimmung zur Frage, ob homosexuelle Paare im Pfarrhaus zusammenleben sollen, hat unter württembergischen Protestanten für erhebliche Aufregung gesorgt. Bei der Umfrage auf der Homepage des Gemeindeblattes haben sowohl Befürworter des gleichgeschlechtlichen Zusammenlebens als auch Gegner Zählmaschinen eingesetzt, um das Ergebnis zu ihren Gunsten zu beeinflussen, sagte die Chefredakteurin des Gemeindeblattes, Petra Ziegler.
Außerdem sei in sozialen Netzwerken und in Massen-Mails für eine Abstimmung geworben worden. Beide Parteien hätten sich immer mehr hochgeschaukelt. Innerhalb von zehn Tagen sei bei der Umfrage 400.000 Mal abgestimmt worden, bei anderen Internetumfragen des Gemeindeblattes hätte es dagegen bisher nur mehrere hundert Stimmen gegeben.
Auch wenn die Abstimmung manipuliert und keineswegs repräsentativ sei, zeige sie, dass dieses Thema höchst emotional sei, betonte Ziegler. „Noch nie habe ich einen solchen Aufruhr in unserer Kirche erlebt.“ Die Umfrage ist nach Ansicht der Chefredakteurin ein Zeichen dafür, dass in den Kirchengemeinden in Württemberg eine breite Diskussion über das biblische Verständnis zur Homosexualität nötig ist. Sie warb für Studientage in den Gemeinden zu diesem Thema, damit Missverständnisse geklärt werden können.
Sogar mit Kirchenaustritten wurde gedroht: Zum ersten Mal hätten sich über hundert Leser als Reaktion auf eine Umfrage an das Gemeindeblatt gewandt, erklärte Ziegler. Zehn Personen hätten gedroht, aus der Kirche auszutreten, solle die Synode das Zusammenleben homosexueller Partner im Pfarrhaus offiziell erlauben.
Ein Mann habe dem Gemeindeblatt geschrieben: „Ich bin erschüttert, dass die Frage lautet, ob Homo-Paare im Pfarrhaus wohnen dürfen oder nicht. Besser wäre die Frage, ob solch ein Pfarrer überhaupt im Amt bleiben darf.“ Ein weiterer Leser schrieb: „Ich finde Ihre Umfrage rückwärtsgewandt. Es ist längst Praxis, dass homosexuelle Paare im Pfarrhaus zusammen leben. Warum akzeptiert man nicht, dass auch PfarrrerInnen Teil der Gesellschaft sind?“
Vor kurzem hatten sich Synode und Kollegium des Oberkirchenrats zu einem nichtöffentlichen Studientag getroffen. Anlass war der Gesetzesentwurf der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) für ein bundesweit einheitliches Pfarrerdienstrecht, der eine Öffnung der Pfarrhäuser für gleichgeschlechtliche Paare zulässt. In der Frühjahrssynode der württembergischen evangelischen Landeskirche im kommenden Jahr soll die Frage des Zusammenlebens homosexueller Paare im Pfarrhaus endgültig geklärt werden. In dieser Woche hat sich der Bischof der württembergischen Landeskirche, Frank Otfried July, zum wiederholten Mal mit betroffenen Pfarrerinnen und Pfarrern zum Gespräch getroffen.
Nach jetziger Regelung ist das Zusammenleben von gleichgeschlechtlichen Paaren in württembergischen Pfarrhäusern offiziell nicht möglich. In „sorgfältig geprüften Einzelfällen“ können homosexuell lebende Pfarrerinnen und Pfarrer jedoch in Kirchengemeinden arbeiten. Bedingung sei, dass „der pfarramtliche Dienst, insbesondere der Auftrag zur Verkündigung und Seelsorge, gewährleistet ist“. Derzeit gibt es in der württembergischen Landeskirche vier homosexuelle Paare, auf die diese Ausnahmeregelung zutrifft.
Quelle: Evangelisches Gemeindeblatt für Baden Württemberg
Wir nähern uns dem “Lutherjahr” und entfernen uns immer mehr von Luther!
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