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	<title>3TageZeit &#187; iPads</title>
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		<title>Der Apple Hype</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Jan 2010 10:36:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Achim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Menschen]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-medium wp-image-716" title="mainimage" src="http://www.3tagezeit.de/wp-content/uploads/2010/01/mainimage-300x187.jpg" alt="" width="300" height="187" /></p>
<p>Seit Wochen kreißten die Berge, das Internet bäumte sich, und irgendwo über San Francisco leuchtete ein Stern, dahin Herden von ganz besonderen Hirten zogen: Computer-Hirten aus dem Medien-Morgenland, GPS-gesteuerte Wireless-Nomaden mit Blutooth-Modul. Und gestern, exakt in der Mitte zwischen Dreikönig und Fasching, erschien ihnen der Prophet von Cupertino, und sie durften sein künstliches Baby anbeten: eine neue Ausgeburt der Elektronik, eine neue Schnittstelle zwischen dem Menschen und dem Kommunikations-Kosmos.<span id="more-710"></span></p>
<p>Solche Schnittstellen sind nämlich immer noch der wunde Punkt in einer sich ansonsten schon dem Irrsinn nähernden Entwicklung. Die Rechengeschwindigkeit bricht ständig neue Rekorde, die Datenspeicherung wird immer leichter und die Datenübertragung immer breitbandiger. Bloß die blöde Menschen-Oberfläche ändert sich kaum: ein paar scheele Augen, verstopfte Ohren und Wurstfinger, die Tasten nur ab einer gewissen Größe treffen. So lange es keine Möglichkeit gibt, unsere Gedanken direkt zu digitalisieren oder umgekehrt den Content aus dem Netz direkt in unser Hirn zu streamen, so lange sind alle iPods, iPhones, iPads, Kindles, Neos, Alexes und Edges bloß bedauernswerte Behelfe und bestenfalls vertane Zeit.</p>
<p>Eher sind sie auch vertanes Geld, und zwar nicht nur für E-Book-Käufer, die sich niemals sagen können, daß man, was man schwarz auf weiß besitzt, getrost nach Hause tragen kann, weil es, bevor sie dort ankommen, vielleicht schon von der Zentrale wieder gelöscht wurde. Auch die E-Book-Verkäufer vertun eine Menge Geld, allen voran Amazon mit seinem amerikanischen Festpreismodell von $9.99, weil der Onlinehändler den Buchverlegern für viele Titel durchaus mehr bezahlt, um sie bei Laune zu halten. Hier wird Apples Offensive sicherlich neue Fronten im Literaturbetrieb schaffen, denn die Inhalte für das neue iPad werden über einen Store vertrieben, dessen Preisgestaltung die Verlage direkt mitbestimmen. Und sie bekommen 70 Prozent vom Umsatz.</p>
<p>Das also sind Aspekte, die die Branche heiß machen: Felder besetzen, Claims abstecken, Marktanteile sichern. Ob künftig Buchleser ihre immerhin bemerkenswerte Resistenz gegenüber jeder Form von elektronisch angezeigten Texten aufgeben und sich „Krieg und Frieden“ (den Roman wohlgemerkt, nicht die Verfilmung) von Steve Jobs brillantem Display reinziehen werden, bleibt weiterhin sehr fraglich. Der Apple-Chef ging bei seiner Präsentation zwar so weit zu sagen, daß man mit seinem Gerät sogar „Krieg und Frieden“ schreiben könne, aber was wenn Tolstoi demnächst mit dem Flugzeug fliegt und nach den neuesten Sicherheitsvorschriften seinen iPad gar nicht einschalten darf?</p>
<p>Komischerweise sieht man selbst in den modernsten Verkehrsmaschinen hin und wieder Leute sitzen, die ein seltsames Objekt in ihren Händen halten: Es ist kaum größer als ein halber Laptop und aus vorsintflutlichen Materialien gefertigt: gebleichter und getrockneter Zellulosebrei, ein typisches Ding aus der Kohlenstoffwelt, weder Hard- noch Software, sondern etwas ähnlich Organisches wie der Mensch, also Wetware. Der Gegenstand besteht aus vielen Seiten, auf denen nach subtilen Regeln Farbe verteilt ist – der Fachbegriff lautet „gedruckt“. Ein solches sogenanntes Buch vermag die Aufmerksamkeit stundenlang und ähnlich stark zu binden wie iPod, Laptop und Kindle zusammen. Es braucht keinen Strom, man braucht es nicht anzuschalten, es stört weder die Bordelektronik noch die Sicherheitsbeamten. Wer viel im Flugzeug unterwegs ist, weiß: das energiesparende, ausfallsichere, multikompatible Buch ist in unserer High-Tech-Zivilisation das ultimative Gadget der Zukunft.</p>
<p><strong>Das hoffe ich doch.</strong></p>
<p>Es gibt wohl kein vergleichbares Unternehmen, das es besser versteht seine Kunden zu Fans zu machen. Die Einführung eines neuen Produktes gleicht schon fast einer religiösen Zeremonie. So kommen Experten und Journalisten aus aller Welt um die Apple-Keynote zu erleben. Es ist jedes mal faszinierend, auch wenn man nur das Video davon sieht.</p>
<p>Sind wir Christen auch so begeistert von unserem Herrn?</p>
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